RedeÜberWege

Folge Fünfzehn: Felix Zimmermann

Sonntag, den 04.10.2020

Ich war auf dem Weg zum taz-Gebäude. Nicht ganz unaufgeregt – ich glaube, die Leute in der S-Bahn dachten ich hab einen Hau-Weg, weil ich mit meinem blauen Notizbuch, Kopfhörer in den Ohren und einem Stift in der Hand nervös auf –und ablief, während ich vor mich hin murmelte. Andererseits ist es Berlin und wen wundert da schon irgendwas. Ich stieg aus der S-Bahn und lief los. Ich kam viel zu früh an und so verringerte ich meine Laufgeschwindigkeit. Das erste Mal als ich mit Felix Zimmermann in der taz verabredet war, trafen wir uns zum Essen im taz-Cafe und sprachen erstmal darüber, was ich eigentlich wollte. Zum Schluss vereinbarten wir einen Termin zum Aufnehmen. Als ich das zweite Mal in die S-Bahn zur taz stiegt, könnte man meinen Ich sei weniger aufgeregt gewesen, da Felix – wie eigentlich alle meine Gäste - super entspannt und freundlich war, doch irgendwas daran, dass wir uns im taz-Gebäude trafen machte mich unglaublich nervös.

Auch wenn mein gesamtes Projekt und Vorhaben noch ziemlich in der Anfangsphase ist und ich laienhaft versuche meine Interview-Qualitäten zu verbessern, stand ich auf einmal da und wenn Leute mich fragten, ob sie mir helfen können, konnte ich antworten: „Nein, danke ich werde abgeholt.“ Das ließ mich unglaublich seriös fühlen und man hätte fast meinen können, ich gehörte einfach dazu. Vielleicht entspringt das Gefühl daher, dass für meinen Vater Zeitschriften schon immer etwas Großes, Wichtiges, Seriöses waren. Obwohl er letztlich selbst nicht Journalist wurde, arbeitet er heute oft journalistisch und früher war in meinem Kopf verankert; wenn du in einer Zeitung, einem Verlag, auf jeden Fall in einem der großen Gebäude arbeitest, hast du es irgendwie geschafft. Auch wenn mein Vater das nie so aussprach, blieb dieses Gefühl irgendwie haften und immer wenn ich an Verlags- oder Zeitungsgebäuden vorbeilief, blieb mir ein bisschen der Atem stehen und ich dachte; oh, hier arbeiten wichtige Menschen. Wahrscheinlich kam es daher, dass es für mich auf einmal unglaublich aufregend und wichtig war im taz-Gebäude zu stehen. Ich gehörte eben doch für einen kurzen Moment irgendwie dazu.

Aber genug über das Gebäude an sich – das interessiert wahrscheinlich eh niemanden so sehr wie mich - und zurück zum Gespräch.

Felix Zimmermann und meine Eltern kannten sich aus meiner schönen Heimatstadt Oldenburg, wo Felix damals für eine kurze Zeit den „Oldenburger Lokalteil“ führte. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich damals zum Geburtstag eine Tasche mit dem Oldenburger Pferd, welches ein Megaphon in der Hand hielt, bekam. Das war das Logo des Oldenburger Lokalteils. Bis heute klebt ein Aufkleber mit entsprechendem Logo auf meinem Laptop. Ich selbst hatte jedoch nur vage Erinnerungen an Felix geschweige denn an seine Arbeit und als ich jetzt die Möglichkeit bekam den Ressortleiter der taz am Wochenende zu interviewen – den meine Eltern durch Zufall kannten – war das ganz schön aufregend. Versteht mich nicht falsch; meine Intention mit dem Podcast ist natürlich nicht nur Menschen mit beeindruckenden Karrieren oder einer prominenten Öffentlichkeit zu interviewen. Ich suche ja einfach nur Menschen, die zufrieden mit ihrem Beruf sind, doch die Arbeit in einer Zeitung und der Journalismus an sich hatten für mich persönlich schon immer einen besonderen Reiz. Das Gespräch mit Felix Zimmermann an sich, verlief ziemlich entspannt. Ich musste ihm nichts aus der Nase ziehen, hatte aber genug Zeit viele meiner Fragen unterzubringen. Was mich gefreut hat war, dass ich förmlich sehen konnte, wie er sich grade an die Situationen zurückerinnert. Er konnte gut vermitteln, warum er wie gehandelt hat und wie er letztlich da gelandet ist, wo er heute ist.

Ich will nicht zu viel verraten, aber Felix Zimmermann war an der Henri-Nannen-Schule in Hamburg, hat eine Zeit in Madrid als Praktikant beim faz-Korrespondent Walter Haubrich verbracht und lebte zwei Jahre in Tel Aviv und Ramallah. Er arbeitete als Praktikant, Gründer, Freischaffender und Angestellter und hat somit viele, viele Facetten des Journalismus miterlebt. Hört also gerne rein und gebt mir Feedback!