RedeÜberWege

Folge Achtzehn: Jan Padberg

Sonntag, den 25.10.2020

Jan Padberg kenne ich durch meinen Vater schon sehr, sehr lange, also eigentlich schon mein Leben lang, weshalb es umso spannender war mich mit ihm über seinen Beruf zu unterhalten. Als ich klein war wollte ich selbst immer Kinderärztin werden. Irgendwann verabschiedete ich mich von dieser Vorstellung, doch trotzdem blieb das Krankenhaus für mich – eventuell auch wegen unendlichen Staffeln von Greys Anatomy, Scrubs und Dr.House – immer ein spannender Ort. Dazu kommt, dass Jan ausgebildeter Lungenfacharzt ist und ich mehr als einmal seine Hilfe wegen meines stärker werdenden Asthmas in Anspruch nahm. Generell war mein Vater bei jedem medizinischen Vorfall der Meinung: „Da rufen wir am besten mal Doktor Padberg an.“.

Im Gegensatz zu vielen anderen war Jan nicht schon immer der Überzeugung Arzt zu werden. Für ihn kam das erst mit der Zeit. Durch 20 Monate Zivildienst gewann er nach dem Abitur erstmal ein wenig Zeit, um Gedanken ordnen zu können. Jedoch war auch danach für ihn nicht klar, was er machen möchte. Das Einzige was ansatzweise klar war: Es sollte etwas anderes sein, als das was sein Vater machte. Er dachte irgendwie an den Menschen, vielleicht an das Gehirn, vielleicht an Psychologie und kam dann irgendwann auf Medizin. Doch so überzeugt kann das Ganze nicht gewesen sein, denn der Mediziner Test fand spontan und mit einem geliehenen Bleistift statt. Irgendwie kam er durch und bekam einen Studienplatz, damals noch durch die zentrale Studienplatzvergabe und landete dadurch in Würzburg. Als er ankam, fand sich bald eine Gemeinschaft. Alle machten dasselbe, alle hatten dieselben Prüfungen, alle hatten dasselbe Ziel. Das und der Stoff, den Jan auf einmal doch wahnsinnig spannend fand, überzeugten ihn – so mein Empfinden – immer mehr von der Idee Arzt zu werden. Es folgten Praktika, dann der Wechsel nach Berlin. Auch wenn hier das Studium anders war, fanden sich schnell Leute und je weiter er kam, desto mehr wollte er es. Seine Noten spiegelten das – im Gegensatz zur Schule – auch wider. Irgendwann war der Weg klarer. Und heute ist er überzeugter Arzt.

Als ich ihn frage, was er jungen Menschen, die Medizin studieren wollen oder sich das vorstellen können, raten würde, gab er eine Antwort, die vielleicht ungewöhnlich scheinen mag: Studiert Medizin nicht nur, weil euer Abischnitt so gut ist, dass ihr es ohne Probleme könntet. Gebt den Gedanken Medizin zu studieren aber auch nicht auf, nur weil eure Noten vielleicht nicht perfekt waren; es gibt Wege.

Immer wieder driften wir während unseres Gespräches ab und kommen irgendwann darauf zu sprechen, wie schon jeder seinen Platz findet. Jan meint, er kennt großartige Mediziner, die dann trotzdem im Management landen, weil sie das gut können und weil es ihnen Spaß macht. Da wären sie jedoch vielleicht auch gelandet, hätten sie was ganz anderes studiert. Jan ist aber auch der Meinung, dass so wie, dass man schon seinen Platz findet, einen ein Platz auch formt: „Dann wird man vielleicht auch zum typischen Arzt, zum typischen Lehrer, zur typischen Richterin.“ – Den Gedanken kann ich nachvollziehen. Heutzutage gibt es so unendlich viele Möglichkeiten, dass es schwer ist sich zu entscheiden, aber vielleicht ist das Ziel gar nicht das eine perfekte, seine „Berufung“ zu finden, sondern eine Berufung von vielen zu finden. Es gibt vielleicht ganz viele Möglichkeiten, die zu mir persönlich passen würden und meine Aufgabe ist es eine davon zu finden und diese dann mit Leben zu füllen.

Unser Gespräch neigt sich dem Ende zu und ich merke jetzt schon, dass es das längste meiner bisherigen Interviews ist, doch ich möchte eine Frage beziehungsweise eine Bitte noch loswerden, da ich es selbst superwichtig finde: Die Erste-Hilfe. Also frage ich ihn, welche Erste-Hilfe-Leistungen jeder können sollte. Bevor ich seine Punkte aufliste, möchte ich selbst noch 3 Punkte loswerden:

  1. Wenn euer Führerschein länger her ist oder ihr nie einen gemacht habt: Bitte, bitte, bitte macht einen Erste-Hilfe-Kurs! An vielen Orten kann man diesen kostenlos machen und auch im Internet gibt es unzählige Möglichkeiten – dieses Wissen kann Leben retten!
  2. Bitte spendet Blut. Tagtäglich wird dieses an Krankenhäusern gebraucht, grade de Blutgruppen, die nur Blut von der eigenen Gruppe bekommen können, brauchen dieses. -Auch das rettet Leben!
  3. Noch ein letztes an alle Mädels/Frauen/Menschen mit Brüsten: Bitte tastet diese regelmäßig ab. Auch dazu gibt es im Internet tausende Erklärungen, gebt einfach mal bei youtube ‚Brustabtasten‘ ein, da findet ihr so einiges – auch das kann euer eigenes Leben retten!

So jetzt aber zu den Tipps von Jan:

  1. Wiederbelebungsmaßnahmen „Durch ganz einfache Maßnahmen, die man in einer Viertelstunde lernen kann, kann die Zeit bis ein Notfallsanitäter da ist, überbrückt werden und das sind häufig die entscheidenden 8-10 Minuten, wo dann der Mensch, insbesondere sein Gehirn und sein Herz, noch mit Blut und Sauerstoff versorgt werden kann, dass, wenn die Wiederbelebung da ist, auch ein Leben ohne Hirnschaden möglich ist.“ . Lernen kann man dies, zumindest in den groben Zügen, auch über youtube z.B. https://www.youtube.com/watch?v=pk53b_eweyk
  2. „Oma und Opa-Wissen“: Was tun bei Schnitten, Bewusstseinsverlust, Erkältung?  nicht alles muss zum Arzt oder ins Krankenhaus
  3. Mit Vorsicht genießen, aber auch googeln  Quellen natürlich checken, aber man kann z.B. nachschauen; was ist eine Bronchitis überhaupt? Was ist eine Magen-Darm-Grippe? o.ä.