RedeÜberWege

Folge Einundzwanzig: Martin Butler

Sonntag, den 15.11.2020

Martin Butler hat mich beeindruckt mit seiner Art über Dinge zu reflektieren. Nachdem wir uns beide ein wenig warm geredet hatten, merkte ich wie er immer mehr in der Vergangenheit versank und darüber nachdachte wieso was passiert ist. Jetzt nicht irgendwie mit Reue oder Wehmut, sondern mit einer brutalen Ehrlichkeit, die mich zum Nachdenken brachte.

Warum entscheiden wir manchmal einfach und fragen uns erst hinterher wie wir diese Entscheidungen getroffen haben. Das nervige an Entscheidungen ist ja, dass sie meist erstmal nicht so leicht rückgängig zu machen sind und wir nicht beide Versuche frei haben. Somit kann man nie mit 100% Sicherheit sagen, ob man die richtige Entscheidung getroffen hat, denn das Leben ist eine Abfolge an Kettenreaktionen und die Frage: Was wäre wenn? Führt oft ins Unendliche.

Mit Martin sprach ich also über seine Schulzeit und wie ihn zwei Lehrer so massiv beeinflussten, dass er selbst auch Lehrer in diesen zwei Fächern werden wollte: Anglistik und Sozialwissenschaften.

  • Kleine Notiz an dieser Stelle: Ja, Lehrer beeinflussen uns massiv. Immer. Lasst uns das also bitte Schritt für Schritt hinterfragen. –

Wir sprachen über die kleinen und großen Veränderungen. Er vertraut mir an, dass er sich irgendwann nicht mehr wohl fühlt bei seiner Fächerwahl, da sie sich so sehr von den Fächern in der Schule unterschieden. Er zieht das Ganze jedoch trotzdem durch und beschließt erst kurz vor Referendariats Beginn an der Universität zu bleiben. Er schwankt durch die verschiedensten Fächer und landet letztlich bei der Amerikanistik: Hier fühlt er sich zuhause. So, als ob, seine beiden Fächer hier zusammenlaufen.

Wenn Menschen erfahren, dass ich Soziologie und BWL studiere, fragen sie mich immer: Was möchtest du denn mit dieser Kombination, die Fächer sind doch so unterschiedlich? Für mich macht diese Kombination aber Sinn. Tagtäglich spüre ich die Überschneidungen und ich bin der festen Überzeugung, dass es genug Überschneidungsfelder für mich gibt. Man muss nur offen dafür sein.

Aus dem Gespräch mit Martin nehme ich so viele Dinge mit: eins davon sei den Mut zu haben sich auch für das Risiko zu entscheiden. Als Martin die Stelle als Juniorprofessor an der Universität Oldenburg bekommt, wurde ihm gleichzeitig eine unbefristete Stelle bei ihm angeboten. Er entscheidet aus dem Bauch heraus das Neue zu wagen. Wie bereits ausgeführt: man weiß nie, was jetzt richtig war, aber wer den Mut nicht hat, wird dies auch nie herausfinden, oder?