RedeÜberWege

Stell dir vor, du machst jeden Tag etwas, das dich unglücklich macht

Samstag, den 12.09.2020

Kannst du dir vorstellen, irgendwann mal etwas zu machen, was dich nur unglücklich macht? Wahrscheinlich ist es schon längst aufgefallen und ich erwähne es an der einen oder anderen Stelle auch, dass ich explizit nach Leuten suche, die ihren Beruf gerne ausüben. Denn egal, was ich heute für Ideen, Gedanken, Pläne für meine Zukunft habe, gehe ich mal stark davon aus, dass das Ziel von den meisten in unserem Alter ist, etwas zu finden, was einem Spaß macht. Man kann sich jetzt wahrscheinlich noch nicht ausmalen, wie viel man tatsächlich später arbeitet. Und sich jeden Tag aufraffen zu müssen, neue Überwindung finden zu müssen, wieder etwas zu machen, was man nicht gerne macht – das muss ja nicht sein. Ich weiß, dass ich aus einer privilegierten Position herausspreche, aber grade dann, wenn man eigentlich alle Möglichkeiten hat oder hatte, zu jammern, finde ich, um ganz ehrlich zu sein, schon fast eine Beleidigung. Natürlich ist es unser Recht, Probleme zu haben, traurig oder wütend zu sein, aber einen Job zu haben, der einen nicht erfüllt – und das merke ich inzwischen immer mehr und immer deutlicher – kann so wehtun und so große Wunden hervorrufen, die sich nicht so einfach schließen lassen. Wie Martina Zander-Rade sagte und viele andere meiner Gäste so oder in ähnlicher Form bestätigen: „Wenn man seinen Beruf liebt, kann man auch Schmerzen aushalten“. Viele meiner Gäste schlossen in ähnlicher Form an; man braucht immer wieder gute Momente und gute Stunden, doch der langweilige, arge, öde Teil gehört auch dazu und in den schwierigen Zeiten nicht aufzugeben ist wichtig, aber die langweiligen Zeiten oder schwierigen Zeiten dürfen nicht zu lang anhalten, dann ist es wahrscheinlich doch nicht das Richtige.
Was ich also mitnehme, ist Folgendes; was du als Beruf machst und wie du dazu stehst, ist von entscheidender Bedeutung. Wir haben so viele Möglichkeiten und sich aus den falschen Gründen, was Falsches auszusuchen und dann zu jammern, ist nicht fair gegenüber deinen Mitmenschen, gegenüber den Menschen, die dich unterstützt haben und zuletzt vor allem nicht fair dir selbst gegenüber; du verdienst es glücklich zu sein.