RedeÜberWege

Vorstellung

Donnerstag, den 02.07.2020

Jung zu sein, kann schwierig und beängstigend sein. Man kommt aus der Schule raus, ist vielleicht froh, dass es endlich vorbei ist – so war es zumindest bei mir, aber egal, ob gerne zur Schule gegangen oder nicht, so oder so kommt man aus einem geregelten Alltag in einen, den man selbst gestalten muss.

Das ist sowohl ein Geschenk als auch eine Belastung. Vielleicht hast du, wie ich, ein Gap-Year eingelegt und für ein paar Monate etwas anderes gemacht und gearbeitet und tolle, wichtige Erfahrungen gesammelt, die dir zudem mehr Zeit verschafft haben, aber früher oder später stehen Entscheidungen an, die dein Leben in eine Richtung lenken werden.

Ich sage nicht, dass du für immer entscheidest. Eher das Gegenteil – ich bin ein großer Verfechter davon, dass man im Großen und Ganzen sowieso nur für den Moment entscheiden kann, denn alles andere liegt oft außerhalb der eigenen Kontrollmöglichkeiten.

Aber nichtsdestotrotz muss man entscheiden – Studium, Ausbildung, Lehre – die Möglichkeiten scheinen schier endlos und ich habe noch niemanden in meinem Alter getroffen der 100% sicher ist, was er macht und noch nicht mal ein kleines bisschen manchmal das Gefühl hat überfordert zu sein.

Ich glaube ehrlich gesagt, dass das noch nicht einmal bei den „Erwachsenen“ der Fall ist, obwohl wir nun wohl oder übel auch zu der „Fraktion“ gehören. Junge Erwachsene – immer hin noch eine Vorstufe bevor es richtig ernst wird. (Achtung Ironie!) So oder so kann es überfordernd sein und wenn du nur ein kleines bisschen so tickst wie ich, ist es maßlos überfordernd, so dass man sich manchmal denkt, kann ich bitte einfach nur schreien und mich anschließend unter meiner Bettdecke verstecken? Aber nein, das Leben spielt anders und so stehen wir entblößt vor der Entscheidung: Und was nun? Hast du geglaubt in diesem Text findest du Lösungsansätze dafür? Tut mir leid, ich muss dich enttäuschen. Obwohl ich unglaublich gerne altklug tue und so tue als hätte ich so viel Erfahrung, dass ich alle Antworten hätte und gerne so rede als hätte ich die Weisheit mit Löffeln gefressen – die Wahrheit ist; ich bin genauso unwissend wie du.

Das einzige was ich wirklich glaube, ist, dass dieses Gefühl der Überforderung und der Ungewissheit zu unserem Alter dazugehört und auch dazugehören muss. Wir werden sicher noch ganz oft Berufsentscheidungen treffen müssen und das die wirklich einfacher werden, bezweifle ich stark, aber ich glaube dieses grundsätzliche Gefühl alles hinterfragen zu müssen; die Stadt, das Land, das Studium, die Uni, die Freunde, die Beziehungen und schließlich, fast am Meisten, sich selbst; ich glaube stark, dass das in unserem Lebensalter am Extremsten ist.

Ich kann dir keine Lösungen bieten – das tut mir leid, aber ich kann dir anbieten, dass wir Dinge gemeinsam erkunden. Hier auf diesem Blog und in dem Podcast werden Menschen sprechen, die gleiches durchgemacht haben und sich ebenso verloren gefühlt haben und niemals sich hätten träumen lassen, dass sie heute das machen, was sie machen. Ich glaube stark daran, dass wir im Gespräch mit anderen – und ja, auch mit anderen, mit einer „älteren Generation“, die uns vielleicht manchmal so nervt, dass wir uns nur mit gleichaltrigen, politisch gleichgesinnten und einfach unserer eigenen Bubble umgeben wollen, ich glaube, dass wir grade im Gespräch mit diesen Menschen ganz viel lernen können. Hierbei geht es nicht darum, Wege nachzulaufen oder den passenden Beruf zu finden, sondern zu verstehen und zuzuhören, wie Menschen Entscheidungen treffen und wie sie im Nachhinein darauf blicken und wie auch das Leben oft so viele Zufälle reinspielt, dass man vieles einfach nicht selber in der Hand hat. Ich will nicht zu viel verraten, denn ich möchte natürlich gerne, dass du dir die Gespräche selbst anhörst, doch so viel kann ich dir verraten:

Wenn Menschen über die Zeit nach der Schule und am Anfang vom Studium/ von der Ausbildung, etc. reden, scheint niemand das Gefühl zu haben, dass sie dort besonders sicher, besonders selbstbewusst oder ähnliches waren. Egal wofür sie sich entschieden haben, für alle wirkt das als persönlich besonders schwere aber auch wichtige Zeit und da möchte ich zu meinem vorherigen Punkt zurückkommen; ich glaube nicht, dass Berufsentscheidungen oder Entscheidungen generell einfacher werden, aber dass man nie wieder so stark verloren und gleichzeitig so aktiv ist wie in dieser Zeit und ich weiß nicht wie es dir geht, aber mir persönlich gibt das ganz viel Zuversicht!